Darf ich mich kurz vorstellen...

Uwe Flores
*1962 in Nordhorn
lebt und arbeitet in Emlichheim
Email: uwe.flores@ewetel.net

Wie entsteht das Interesse und die Begeisterung für Kunst? Bei dem Emlichheimer Uwe Flores war es eine Klassenfahrt nach Berlin. Dort besuchte er verschiedene Kunstmuseen, die einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen haben. Besonders angetan haben es ihm die Bilder von Gerhard Richter, dem wohl bedeutendsten deutschen Gegenwartsmaler. Dass daraus mal mehr werden würde, war damals aber noch nicht abzusehen. Zunächst erlernte er den Polizeiberuf beim Bundesgrenzschutz, später kam die handwerkliche Ausbildung zum Elektromeister dazu. Erste handwerkliche Einblicke in die Kunst erhielt er 1982 beim Besuch von Malkursen an der Volkshochschule. Aber erst in den letzten Jahren stürzte er sich so richtig in die Kunst und ist seitdem als freischaffender Maler tätig. Bei dem Emlichheimer Künstler Hannes Hiller und bei der in Brandlecht lebenden Künstlerin Loes de Haan bekam er vertiefte kreative Inspiration, ebenso beim Airbrushkünstler André Eilers. Seit April diesen Jahres hat Uwe Flores auch ein selbst gebautes eigenes Atelier, das vor Bildern nur strotzt. Wie er im Gespräch erzählt, hat besonders der Kontakt zu Loes de Haan eine hochproduktive Phase bei ihm ausgelöst. Uwe Flores spricht von einer symbiotischen Verbindung. Bei Loes de Haan hat er den Ansatz zur Kunst gefunden, der ihn begeistert.

Uwe Flores fühlt sich zur abstrakten Kunst hingezogen, denn mit ihr kann er am besten Gefühle ausdrücken, das Innere nach außen kehren. Farben haben für ihn konkrete Bedeutungen. Rot steht für Zusammenhalt, Glaube und Ursprüngliches, Blau für Freundschaft und Erlebnisse. Ein wichtiges Bildelement für Flores ist das Quadrat. Dieses wiederkehrende Motiv steht für Ordnung. Die Malerei ist bei ihm aber nicht nur Ausdruck von Kreativität, sondern hat auch therapeutische Funktion. Sie hilft dem Emlichheimer Künstler beim Umgang mit seiner Parkinson-Erkrankung. Wenn er malt, erzählt Uwe Flores, ist das Zittern der Hand sofort weg, Entspannung stellt sich ein, der Körper kommt zur Ruhe. 

(Text: Andreas Meistermann)

(Foto: Wolfgang Weßling)

Künstler in der Grafschaft Bentheim


Kunstverein will Emlichheim bunter machen

Was zunächst eine fixe Idee war, hat sich innerhalb kurzer Zeit zu einem Verein mit rund 20 Mitgliedern gemausert: Seit etwa einem halben Jahr besteht der Kunstverein Emlichheim, und die Aktivitäten nehmen Fahrt auf.

 

Emlichheim. Mit viel Hingabe führt Jenny Hering „Das Bistro“ an der Hauptstraße in Emlichheim. Die junge Frau ist ebenso kunstbegeistert wie André Eilers und Uwe Flores, die auch in der Niedergrafschafter Gemeinde leben. Bei den After-Work-Partys im „Bistro“ im vergangenen Dezember kam man ins Gespräch – und wollte bald gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Eine Kunstmeile mit mehreren Ausstellern rund um die kleine Gaststätte sollte es werden. Aus dem Vorbereitungstreffen mit den potenziellen Teilnehmern am 26. Februar dieses Jahres wurde dann recht ad hoc die Gründungssitzung für einen festen Zusammenschluss: Der Kunstverein Emlichheim war geboren.

 

Erster Vorsitzender ist seither Uwe Flores. „Lasst uns Emlichheim bunter machen“, lautet die Devise. Von den 15 Gründungsmitgliedern waren denn auch fast alle an der ersten Kunstmeile beteiligt, die in Zelten am „Bistro“ während des „Grafschafter Anfietsens“ im April – das in diesem Jahr nach Emlichheim führte – vonstatten ging. „Die Aktion ist so gut angekommen, dass wir uns entschlossen haben, weiterzumachen“, berichtet Uwe Flores. So konnte am vorvergangenen Sonntag im Zuge des „Stadtradelns“ die Zweitauflage der Kunstmeile mit 20 Teilnehmern über die Bühne gehen.

 

50 Aussteller erwartet

 

Und schon jetzt naht das dritte Projekt dieser Art: Am Sonnabend und Sonntag, 10. und 11. September, soll es zum Herbstfest in noch größerem Umfang wieder so weit sein. Nach der aktuellen Planung wird es dort weit mehr zu sehen geben als etwa klassische Malerei. Auch Näharbeiten oder selbstgefertigtes Holzspielzeug sind vertreten. Diesmal werden rund 50 Aussteller erwartet. „Mit jedem Mal melden sich mehr Leute an. In fünf bis sechs Jahren knacken wir die 100er-Marke, wenn nicht sogar schon im nächsten Jahr“, zeigt sich Uwe Flores optimistisch.

 

Die vielfältige Gestaltung der Kunstmeilen entspricht ganz dem Grundgedanken des jungen Vereins: Jeder, der in jeglicher Form kreativ tätig ist, ist willkommen und bekommt eine Plattform für Austausch und Ausstellungen. „Das macht den Kunstverein aus: Er richtet sich nicht nur an grafisch Tätige, sondern umfasst auch kreatives Handwerk oder Handarbeit“, sagt der studierte Airbrush-Designer André Eilers. Dabei sollte die künstlerische Arbeit aber schon als festes Hobby und nicht gänzlich nebenbei ausgeführt werden. Für alle Interessierten gibt es dazu einmal im Monat einen offenen Künstlerstammtisch, jeweils am vierten Freitag um 20 Uhr im „Bistro“.

 

„Emlichheim nimmt es gut an“

 

Der Kunstverein Emlichheim möchte sich einsetzen für das Miteinander und die Gemeinschaft der Künstler. Ein besonderer Schwerpunkt soll künftig die Förderung der Jugendarbeit sein. „Es gibt an den Schulen so viele Jugendliche, die richtig was können – und das wird viel zu wenig gefördert“, ist man überzeugt. „Nicht jeder mag Volleyball oder Fußball“, sagt Uwe Flores.

 

Den jungen Menschen will der Verein einen Anlaufpunkt bieten mit Angeboten zur Weiterbildung. Entsprechende Kurse könnten mit Profis aus den eigenen Reihen oder externen Honorarkräften verwirklicht werden. Zudem besteht die Idee, nach der finanziellen Festigung des Vereins einen U-21-Preis auszuloben. Apropos Geld: Bislang habe man alle Aufwendungen aus eigener Tasche gezahlt. „Wir sind dankbar für jede Spende, das Sparschwein ist noch nicht voll“, heißt es augenzwinkernd.

 

Im heimischen Umfeld erfährt das Wirken des Kunstvereins einen positiven Rückhalt. „Emlichheim nimmt es gut an, es gibt auch Unterstützung durch die Gemeinde“, berichtet André Eilers. Die Mitglieder selbst stehen voll und ganz hinter ihrer Idee. „Der Kunstverein ist mein zweites Leben geworden“, sagt Uwe Flores überzeugt. Für weitere Fragen steht der Vorsitzende unter Telefon 0172 2342872 zur Verfügung. Der Kunstverein Emlichheim ist zudem mit einer eigenen Seite bei „Facebook“ vertreten.

 

 

 

 

 

Von Sebastian Hamel

 

 

 

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